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100 Jahre FSV | Folge 3 | Wiederaufbau, „Schwarze Erde“ und eine außergewöhnliche Jugendmannschaft

Rückblick auf Folge 2

In der vergangenen Folge haben wir auf die schwierigen Jahre von 1933 bis 1945 zurückgeblickt. Die Freie Spielvereinigung musste aufgelöst werden, unter dem Namen Teutonia ging der Fußball weiter, später folgte der Zusammenschluss mit dem Reichsbahn Turn- und Sportverein.

Der Zweite Weltkrieg brachte schließlich den Spielbetrieb zum Erliegen. Viele Vereinsmitglieder kehrten nicht zurück, historische Unterlagen gingen verloren – und 1945 stand die Gemeinschaft erneut beinahe am Anfang.

Aus den Trümmern entsteht ein neuer Anfang

Als der Zweite Weltkrieg 1945 endete, lag auch das Vereinsleben in Straubing weitgehend am Boden.

Spieler fehlten. Sportanlagen waren beschädigt oder nicht mehr nutzbar. Die bisherige Vereinsstruktur existierte nicht mehr.

Und trotzdem dauerte es nicht lange, bis sich ehemalige Mitglieder wieder zusammenfanden.

Zu den Männern, die den Wiederaufbau nach dem Krieg vorantrieben, gehörten laut Chronik unter anderem Sepp Schollerer, Michael Frisch, Karl Lehner junior, Karl Sepp, Franz Seufert, Willy Riedmayer, Sebastian Walchshäusl, Jakob Fritz und Josef Hammerl.

Sie hatten keine komfortablen Voraussetzungen.

Was sie hatten, war der Wille, den Fußball und ihre Gemeinschaft wieder aufleben zu lassen.

Genau daraus sollte innerhalb weniger Jahre eine der bemerkenswertesten Phasen der Vereinsgeschichte entstehen.

1947 kehrt die Spielvereinigung zurück

Nach Jahren der Entbehrung stand zunächst eine ganz einfache Frage im Mittelpunkt:

Wie kann wieder Fußball gespielt werden?

1947 gründeten ehemalige Mitglieder erneut eine „Spielvereinigung Straubing“.

Bereits ein Jahr später entwickelte sich daraus der FSV Straubing 1926 e.V.

Damit kehrte nicht einfach nur ein Vereinsname zurück.

Der Fußball brachte Menschen wieder zusammen. Ehemalige Spieler, Jugendliche und Fußballbegeisterte fanden erneut einen gemeinsamen Mittelpunkt.

Nach einer Zeit, in der vieles auseinandergebrochen war, wurde der Verein wieder zu einem Ort der Gemeinschaft.

Ein Fußballplatz entsteht aus Bombentrichtern

Einer der wichtigsten Schritte gelang im Jahr 1948.

Der Verein erhielt ein Gelände auf dem Areal der ehemaligen Panzerjägerkaserne an der Wittelsbacher Höhe. Heute befindet sich dort der Schulsportplatz des Anton-Bruckner-Gymnasiums.

Was die Vereinsmitglieder dort vorfanden, hatte allerdings zunächst wenig mit einem Fußballplatz zu tun.

Das Gelände war von Bombentrichtern gezeichnet.

Anstatt auf bessere Bedingungen zu warten, packten die Mitglieder selbst an. In unzähligen Arbeitsstunden beseitigten sie Schäden und machten das Gelände überhaupt erst bespielbar.

Wieder zeigte sich eine Eigenschaft, die den FSV über Jahrzehnte prägen sollte:

Wenn eine Heimat fehlte, wurde sie geschaffen.

Die Geburt der „Schwarzen Erde“

Der neue Platz bekam schon bald einen Namen, der weit über seine eigentliche Nutzungszeit hinaus Bestand haben sollte:

Die „Schwarze Erde“

Der Name entstand durch dunklen Gummistaub, den die Firma Reifen Wagner zur Verfügung stellte. Damit wurde die Spielfläche immer wieder hergerichtet.

Aus einem einfachen Sportplatz wurde mit der Zeit ein Begriff.

Für ältere Generationen Straubinger Fußballfreunde steht die „Schwarze Erde“ bis heute nicht nur für einen Untergrund.

Sie steht für Erinnerungen.

Für Heimspiele.

Für Jugendfußball.

Für große Mannschaften.

Und vor allem für eine Zeit, in der sich der Verein nach dem Krieg wieder selbst eine Heimat geschaffen hatte.

Fußball und Vereinsleben gehören zusammen

Die Bedingungen waren weiterhin einfach.

Umkleideräume und ein kleines Vereinsbüro befanden sich in der benachbarten Gastwirtschaft. Diese Gaststätte an der Wittelsbacher Höhe blieb bis 1988 Vereinslokal des FSV.

Sportplatz und Vereinslokal gehörten zusammen.

Hier wurde gespielt, diskutiert, gefeiert und organisiert.

Gerade in einer Zeit, in der die Gesellschaft nach den Kriegsjahren vieles neu aufbauen musste, wurde der Verein wieder zu einem sozialen Mittelpunkt.

Zurück in die höchste niederbayerische Spielklasse

Der Wiederaufbau schlug sich erstaunlich schnell auch sportlich nieder.

Bereits 1948 erreichte der FSV die damals höchste niederbayerische Spielklasse, die Kreisliga.

Für einen Verein, der wenige Jahre zuvor praktisch nicht mehr existiert hatte, war das eine bemerkenswerte Entwicklung.

Am 20. Januar 1949 erhielt der Verein schließlich seinen endgültigen Namen:

Fußball-Sportverein Straubing 1926 e.V.

Damit war aus den verschiedenen Vereinsformen der vergangenen Jahrzehnte endgültig der FSV geworden, dessen Name Generationen von Straubinger Fußballern begleiten sollte.

Wenn die „Schwarze Erde“ voll wurde

Mit dem sportlichen Erfolg wuchs auch das Interesse der Zuschauer.

Die Chronik berichtet davon, dass bei Begegnungen gegen Vereine wie die SpVgg Landshut, den FC Passau oder die SpVgg Deggendorf bis zu 3.000 Zuschauer auf die „Schwarze Erde“ kamen.

Heute wirkt diese Zahl für ein Amateurspiel beinahe unglaublich.

Damals wurden solche Begegnungen zu gesellschaftlichen Ereignissen.

Die besondere Atmosphäre auf dem Platz an der Wittelsbacher Höhe half dem FSV dabei, sich wieder fest im Straubinger Fußball zu etablieren.

Doch die vielleicht außergewöhnlichste Geschichte dieser Jahre wurde nicht von der ersten Mannschaft geschrieben.

Die Jugend, die ganz Straubing träumen ließ

Die größten sportlichen Erfolge der frühen Nachkriegszeit erzielte die Jugendabteilung.

Unter der Leitung von Sepp Schollerer entwickelte sich eine Mannschaft, die bis heute einen besonderen Platz in der Geschichte des FSV einnimmt.

Mit Talent, Zusammenhalt und enormem Einsatz kämpfte sich diese Jugendmannschaft durch die süddeutschen Meisterschaftsrunden.

Dabei traf sie auf Namen, die damals wie heute für den deutschen Spitzenfußball stehen.

Die Nachwuchsmannschaften des TSV 1860 München und des FC Bayern München wurden ausgeschaltet.

Plötzlich spielte eine Jugendmannschaft aus Straubing um einen Titel, der weit über Niederbayern hinaus Bedeutung hatte.

Bis ins süddeutsche Endspiel

Der Weg führte bis in das Endspiel gegen die Stuttgarter Kickers.

Dort musste sich die FSV-Jugend knapp mit 1:2 geschlagen geben.

Der süddeutsche Vizemeistertitel blieb dennoch ein außergewöhnlicher Erfolg.

Die Vereinschronik würdigt diese Leistung als bis heute einmalig für einen Straubinger Verein.

Aus heutiger Sicht ist vielleicht gerade der Hintergrund dieser Geschichte besonders beeindruckend.

Diese Mannschaft entstand nicht in einem Nachwuchsleistungszentrum.

Sie spielte auf einem Platz, den Vereinsmitglieder wenige Jahre zuvor aus einem von Bombentrichtern gezeichneten Gelände selbst hergerichtet hatten.

Und trotzdem trat sie gegen die Nachwuchsmannschaften einiger der bekanntesten Vereine Deutschlands an – und gewann.

Talente, deren Namen bleiben sollten

Aus dieser Nachwuchsarbeit gingen mehrere außergewöhnliche Fußballer hervor.

Einer von ihnen war Siegfried „Sigg“ Burkhardt, dessen Weg später unter anderem zu Westfalia Herne und Borussia Mönchengladbach führen sollte.

Auch Otto Sautner wird in der Chronik besonders erwähnt. Als Jugendspieler soll er in einer Saison beeindruckende 87 Tore erzielt haben.

Ein weiterer Name ist Willi Mikulasch.

Er begann beim FSV auf der „Schwarzen Erde“ und wurde später Straubings erster Bundesligaspieler.

Ihre Geschichten werden im Verlauf unserer Jubiläumsreihe noch einen eigenen Platz bekommen.

Denn manche Lebenswege sind zu besonders, um sie nur in wenigen Zeilen innerhalb einer Chronologie zu erzählen.

Eine Generation legt das Fundament

Die Jahre von 1946 bis 1951 waren weit mehr als nur eine erfolgreiche sportliche Phase.

In diesen wenigen Jahren gelang es den Mitgliedern,

  • eine Vereinsgemeinschaft nach dem Krieg wiederaufzubauen,
  • einen eigenen Sportplatz zu schaffen,
  • die höchste niederbayerische Spielklasse zu erreichen
  • und eine Jugendmannschaft hervorzubringen, die süddeutsche Fußballgeschichte schrieb.

Die Chronik fasst die Eigenschaften dieser Zeit treffend zusammen:

Eigeninitiative, Zusammenhalt, intensive Jugendarbeit und die Überzeugung, dass sportlicher Erfolg aus einer starken Gemeinschaft entsteht.

Die „Schwarze Erde“ wurde deshalb weit mehr als ein Fußballplatz.

Sie wurde zum Symbol des Wiederaufbaus.

Und sie sollte zu einem der wichtigsten Orte in der gesamten Geschichte des FSV werden.

In der nächsten Veröffentlichung

Sonderfolge: Die Schwarze Erde – die erste Heimat des FSV

Bevor unsere chronologische Reise mit den 1950er-Jahren weitergeht, bleiben wir noch einmal an der Wittelsbacher Höhe.

Denn die „Schwarze Erde“ verdient mehr als einige Absätze innerhalb einer Jahrzehntfolge.

Wir erzählen, wie aus einem Bombentrichterfeld eine Heimat entstand, warum schwarzer Gummistaub einem Fußballplatz seinen legendären Namen gab und weshalb sich ältere Straubinger Fußballfreunde noch Jahrzehnte später an diesen Ort erinnern.

Bis zu 3.000 Zuschauer, große Mannschaften, außergewöhnliche Talente und Erinnerungen, die Generationen überdauerten: Die nächste Geschichte gehört ganz der „Schwarzen Erde“.

Historische Jugendmannschaft des FSV Straubing aus den erfolgreichen Nachkriegsjahren

Jugendfußball war eine der großen Stärken des FSV in der Nachkriegszeit. Eine außergewöhnliche Generation schaffte den Weg bis ins Endspiel um die süddeutsche Jugendmeisterschaft.

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