Rückblick auf Folge 1
In der ersten Folge unserer Geschichtsreihe führte der Weg zurück ins Jahr 1926. Auf den Hagenwiesen begann mit einfachsten Mitteln eine Fußballgeschichte, aus der später der FSV Straubing hervorging.
Mit selbst aufgestellten Toren, einer Bretterhütte als Umkleide und Fahrrädern für die Fahrt zu Auswärtsspielen entstand eine Gemeinschaft, die bereits wenige Jahre später ihren ersten sportlichen Erfolg feiern konnte.
Doch die folgenden Jahre sollten zeigen, dass Vereinsgeschichte nicht nur auf dem Fußballplatz geschrieben wird.
Eine junge Gemeinschaft gerät in eine schwierige Zeit
Anfang der 1930er-Jahre hatte sich die junge Fußballgemeinschaft in Straubing bereits etabliert.
1930 war unter dem Namen Teutonia Straubing die erste überlieferte Meisterschaft in der B-Klasse gelungen. Was wenige Jahre zuvor noch mit provisorischen Toren auf den Hagenwiesen begonnen hatte, entwickelte sich langsam zu einem organisierten Vereinsleben.
Doch die politischen Veränderungen in Deutschland sollten auch vor dem Fußball nicht haltmachen.
Die Vereinschronik berichtet, dass die Freie Spielvereinigung Straubing im Jahr 1933 aus politischen Gründen aufgelöst werden musste. Damit endete die bisherige Form des jungen Vereins zunächst abrupt.
Für die damaligen Mitglieder bedeutete dies weit mehr als eine organisatorische Veränderung.
Eine Gemeinschaft, die sie erst wenige Jahre zuvor aufgebaut hatten, durfte in ihrer bisherigen Form nicht weiterbestehen.
Der Fußball findet trotzdem einen Weg
Die Begeisterung für den Sport verschwand dadurch jedoch nicht.
Schon kurze Zeit später fanden sich die Fußballer erneut zusammen und setzten ihre Aktivitäten unter dem Namen Teutonia Straubing fort.
Der Fußball jener Zeit war mit heutigen Strukturen kaum vergleichbar.
Große Verwaltungsapparate, perfekt organisierte Ligen oder umfassende Vereinsstrukturen gab es nicht. Entscheidend war für viele Beteiligte zunächst, überhaupt gemeinsam Fußball spielen zu können.
Dabei entstand wieder Stück für Stück eine feste Gemeinschaft.
Neue Vereine und Mannschaften bildeten sich auch im Straubinger Umland. Regelmäßige Begegnungen wurden möglich und aus der zunächst lockeren Fußballgemeinschaft entwickelte sich zunehmend ein organisierter Verein.
Gerade diese Phase zeigt einen Gedanken, der sich durch die gesamte Geschichte des FSV ziehen sollte:
Wenn sich äußere Bedingungen veränderten, fand der Verein immer wieder einen Weg weiterzumachen.
Der Jungmeier-Platz wird zur sportlichen Heimat
Gespielt wurde in diesen Jahren auf verschiedenen Plätzen in Straubing.
Besonders in Erinnerung geblieben ist der Jungmeier-Platz an der Regensburger Straße. Er diente mehrere Jahre als Heimstätte der Mannschaft. Auch die erste Meisterschaft der Teutonia ist mit diesem Platz verbunden.
Nach heutigen Maßstäben waren die Bedingungen einfach.
Aber genau wie schon auf den Hagenwiesen entwickelte sich rund um den Fußball eine starke Gemeinschaft.
Menschen investierten Zeit, organisierten den Spielbetrieb und sorgten dafür, dass der Verein trotz schwieriger Rahmenbedingungen weiterleben konnte.
Die Chronik erinnert dabei unter anderem an Hans Pregler, Sepp und Heinrich Ertl, Josef Wagner, Franz Fuchssteiner, Richard Schuß, Alois Kolbeck, Hans Laberer, Karl Pfeiffer, Sebastian Walchshäusl und Harras Listl.
Viele dieser Namen tauchen bereits in den Anfangsjahren des Vereins auf.
Sie stehen stellvertretend für eine Generation, die den Fußball in Straubing unter Bedingungen organisierte, die mit dem heutigen Vereinsleben kaum vergleichbar sind.
Verantwortung in unruhigen Jahren
Auch an der Spitze des Vereins musste Verantwortung übernommen werden.
Für diese Zeit nennt die historische Überlieferung unter anderem Albert Brandl, der bis 1937 als Vorsitzender geführt wird. Zuvor hatten bereits Hans Schmid, Toni Maier und Ludwig Holzer Verantwortung getragen.
Nicht jedes Amt und nicht jede zeitliche Zuordnung lässt sich heute noch exakt rekonstruieren.
Der Grund dafür liegt in einem der größten Verluste der Vereinsgeschichte:
Die ursprünglichen Unterlagen aus dieser Zeit gingen später während der Kriegsjahre verloren.
Was heute noch bekannt ist, verdanken wir daher vielfach Erinnerungen, mündlicher Überlieferung und später zusammengetragenen Aufzeichnungen.
1937 eröffnet sich eine neue Perspektive
Ein bedeutender Schritt folgte im Jahr 1937.
Die Teutonia schloss sich mit dem neu gegründeten Reichsbahn Turn- und Sportverein Straubing zusammen.
Dieser Zusammenschluss brachte etwas mit sich, das für den jungen Verein bis dahin nicht selbstverständlich gewesen war:
eine eigene Sportanlage.
Am Ziehbrückenweg in Straubing-Süd entstand ein Sportplatz mit Umkleideräumen und Waschmöglichkeiten. Die Chronik bezeichnet diese Anlage als ersten eigenen Sportplatz des Vereins. Heute befindet sich dort die Sportanlage des Eisenbahner-Sportvereins.
Nach den provisorischen Anfängen auf den Hagenwiesen bedeutete dies einen gewaltigen Schritt.
Zum ersten Mal verfügten die Fußballer über eine eigene sportliche Heimat mit deutlich besseren Bedingungen.
Auch sportlich entwickelte sich die Mannschaft positiv.
Sie spielte in der Bezirksklasse und gehörte dort regelmäßig zu den Mannschaften, die im Kampf um die vorderen Plätze mitmischten.
Es sah danach aus, als könne sich nun eine dauerhafte Struktur entwickeln.
Doch die Geschichte nahm einen anderen Verlauf.
Der Krieg verändert alles
Während der Verein sportlich Fortschritte machte, verschärfte sich die politische Situation in Europa.
Die historischen Aufzeichnungen sprechen davon, dass bereits die „Gewitterwolken des Zweiten Weltkriegs“ aufzogen.
Geplante Erweiterungen der Sportanlage am Ziehbrückenweg konnten nicht mehr verwirklicht werden.
Mit Beginn der Kriegsjahre wurde auch der Fußball zunehmend schwieriger zu organisieren.
Viele Männer standen für den Spielbetrieb nicht mehr zur Verfügung.
Im dritten Kriegsjahr musste der Verein den Spielbetrieb wegen Spielermangels schließlich vollständig einstellen. Auch der Reichsbahn Turn- und Sportverein hörte auf zu bestehen.
Damit endete eine Entwicklung, die wenige Jahre zuvor noch große Hoffnungen geweckt hatte.
Viel schwerer als der Verlust des Spielbetriebs
Doch ein eingestellter Fußballbetrieb war nicht der schwerste Verlust dieser Jahre.
Viele Vereinsmitglieder kehrten aus dem Krieg nicht zurück.
Menschen, die den Verein aufgebaut, Spiele organisiert, Mannschaften begleitet und Gemeinschaft geschaffen hatten, fehlten plötzlich.
Hinzu kam der Verlust nahezu der gesamten historischen Dokumentation.
Während der Kriegsjahre gingen die damaligen Vereinsunterlagen verloren.
Deshalb beruhen viele Angaben über die Zeit vor 1946 heute auf Erinnerungen früherer Mitglieder und späteren Aufzeichnungen.
Gerade vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie wertvoll die spätere historische Arbeit rund um die Vereinschronik geworden ist.
Ohne sie wären zahlreiche Namen, Orte und Geschichten vermutlich vollständig verschwunden.
1945 steht wieder alles am Anfang
Als der Zweite Weltkrieg 1945 endete, musste auch das Vereinsleben praktisch neu aufgebaut werden.
Die frühere Organisation existierte nicht mehr.
Spieler fehlten.
Unterlagen waren verloren.
Sportliche Strukturen mussten neu geschaffen werden.
Und trotzdem war die Verbindung zwischen den ehemaligen Vereinsmitgliedern nicht verschwunden.
Die Chronik nennt unter anderem Sepp Schollerer, Michael Frisch, Karl Lehner junior, Karl Sepp, Franz Seufert, Willy Riedmayer, Sebastian Walchshäusl, Jakob Fritz und Josef Hammerl als Männer, die nach dem Krieg erneut die Initiative ergriffen.
Damit begann nach einer der schwierigsten Phasen der Vereinsgeschichte erneut etwas, das schon 1926 auf den Hagenwiesen zu beobachten gewesen war:
Menschen kamen zusammen und fingen wieder an.
Ein Verein, der immer wieder neu beginnen musste
Die Jahre zwischen 1933 und 1945 gehören zu den schwierigsten Kapiteln der FSV-Geschichte.
Der Verein wurde aufgelöst.
Unter einem neuen Namen ging der Fußball weiter.
Mit dem Reichsbahn Turn- und Sportverein entstand erstmals eine eigene Sportanlage.
Dann brachte der Krieg das Vereinsleben erneut zum Stillstand.
Menschen gingen verloren.
Dokumente gingen verloren.
Doch eines ging nicht verloren:
die Verbindung zwischen den Menschen und ihrer Fußballgemeinschaft.
Als 1945 der Krieg endete, begann deshalb nicht einfach eine neue Geschichte.
Es war die Fortsetzung einer Geschichte, die trotz aller Brüche nie vollständig verschwunden war.
Historisches Gruppenfoto einer frühen Straubinger Fußballmannschaft aus der Jubiläumspräsentation des FSV. Die genaue zeitliche Zuordnung ist anhand der vorhandenen Unterlagen nicht zweifelsfrei möglich und wird deshalb bewusst offengelassen.
Fußball unter einfachen Bedingungen: Diese historische Aufnahme gehört zum frühen Bildbestand des FSV Straubing. Eine genaue Jahreszahl ist in der Jubiläumspräsentation nicht dokumentiert.