Rückblick auf Folge 4
In der vergangenen Folge haben wir auf die 1950er-Jahre zurückgeblickt – auf Bezirksliga, Stadtmeisterschaft, die große Zeit der Unterabteilungen und eine Nachwuchsarbeit, die den FSV weit über Straubing hinaus bekannt machte.
Der Verein war sportlich etabliert, gesellschaftlich fest verankert und mit der „Schwarzen Erde“ im Straubinger Süden zuhause.
Doch genau diese Heimat sollte in den 1960er-Jahren verloren gehen.
Ein Jahrzehnt des Wandels beginnt
Zu Beginn der 1960er-Jahre gehörte der FSV längst zu den etablierten Fußballvereinen Niederbayerns.
Die „Schwarze Erde“ an der Wittelsbacher Höhe war seit den Nachkriegsjahren weit mehr als ein Sportplatz.
Hier hatte der Verein nach dem Krieg neu begonnen.
Hier waren große Jugendmannschaften entstanden.
Hier hatten zahlreiche Straubinger ihre ersten Schritte im Fußball gemacht.
Und hier waren Erinnerungen gewachsen, die viele Vereinsmitglieder ein Leben lang begleiten sollten. FSV_Geschichtsreihe_Folge_5_196…
Doch gerade als sich der Verein sportlich und organisatorisch gefestigt hatte, zeichnete sich erneut ein tiefgreifender Wandel ab.
Der geplante Neubau des Anton-Bruckner-Gymnasiums stellte die Zukunft des Vereinsgeländes infrage.
Für den FSV wurde damit immer deutlicher:
Die vertraute Heimat an der Wittelsbacher Höhe würde nicht dauerhaft erhalten bleiben.
Noch einmal große Fußballjahre auf der „Schwarzen Erde“
Bevor der Abschied tatsächlich kam, erlebte der Platz noch einmal intensive Fußballjahre.
Die Heimspiele lockten weiterhin zahlreiche Zuschauer an.
Für viele Straubinger gehörte die besondere Atmosphäre des schwarzen Untergrunds längst fest zum Fußballerlebnis.
Die erste Mannschaft behauptete sich zunächst weiterhin in der niederbayerischen Bezirksliga.
Gleichzeitig fanden immer wieder Spieler aus der starken Nachwuchsarbeit den Weg in den Seniorenbereich. FSV_Geschichtsreihe_Folge_5_196…
Die Jugendarbeit blieb damit eines der großen Markenzeichen des Vereins.
Doch sportlich zeichnete sich ein Wandel ab.
1964 endet die Bezirksliga-Zeit
Nach zehn Jahren in der Bezirksliga musste der FSV 1964 in die A-Klasse absteigen. FSV_Geschichtsreihe_Folge_5_196…
Gleichzeitig veränderte sich die gesamte Straubinger Sportlandschaft.
Neue Vereine entstanden.
Andere Sportarten gewannen an Bedeutung.
Die Konkurrenz um Spieler, Mitglieder und Aufmerksamkeit wurde größer.
Für den FSV bedeutete dies eine Phase, in der sportliche Rückschläge und organisatorische Herausforderungen gleichzeitig bewältigt werden mussten.
Trotzdem blieb der Verein fest in seiner Gemeinschaft verwurzelt.
Viele Aktive und Funktionäre hielten dem FSV auch in schwierigeren Jahren die Treue.
Menschen übernehmen Verantwortung
Die 1960er-Jahre waren auch durch mehrere Wechsel an der Vereinsspitze geprägt.
Die Vereinschronik nennt für diese Zeit:
Josef Andrusiak ab 1959
Hans Schneitl ab 1960
Heinz Pflügl ab 1963
Ernst Deutsch ab 1965
Ferdinand Mühlbauer ab 1967. FSV_Geschichtsreihe_Folge_5_196…
Diese Namen stehen für eine Phase, in der immer wieder Menschen bereit waren, Verantwortung zu übernehmen.
Neben der Vorstandschaft waren es Spieler, Trainer, Jugendbetreuer und zahlreiche Helfer, die dafür sorgten, dass der Spielbetrieb weiterlief. FSV_Geschichtsreihe_Folge_5_196…
Gerade in Jahren des Umbruchs zeigte sich erneut:
Ein Verein lebt nicht allein von Ergebnissen.
Er lebt davon, dass Menschen bleiben, wenn es schwierig wird.
1966: 40 Jahre FSV
Im Jahr 1966 konnte der FSV sein 40-jähriges Bestehen feiern.
Mit einem großen Fußballturnier blickte der Verein auf vier Jahrzehnte Geschichte zurück. FSV_Geschichtsreihe_Folge_5_196…
Von den einfachen Anfängen auf den Hagenwiesen über die Kriegsjahre bis zum Wiederaufbau auf der „Schwarzen Erde“ hatte der FSV bereits eine außergewöhnliche Entwicklung hinter sich.
Doch über dem Jubiläum lag bereits der drohende Verlust des Sportplatzes.
Der Neubau des Anton-Bruckner-Gymnasiums machte deutlich, dass eine vertraute Epoche zu Ende gehen würde. FSV_Geschichtsreihe_Folge_5_196…
Das Jubiläum war deshalb zugleich Rückblick und Vorahnung.
1968: Der schmerzhafte Abschied
Im Jahr 1968 war der Moment gekommen.
Der Sportplatz an der Wittelsbacher Höhe wurde geschlossen und in einen Schulsportplatz umgewandelt.
Der FSV erhielt dort kein Spiel- und Benutzungsrecht mehr. FSV_Geschichtsreihe_Folge_5_196…
Damit endete nach rund zwei Jahrzehnten eines der prägendsten Kapitel der Vereinsgeschichte.
Für viele Mitglieder war dies weit mehr als ein organisatorischer Standortwechsel.
Die „Schwarze Erde“ stand für den Wiederaufbau nach dem Krieg.
Für große Jugendmannschaften.
Für starke Seniorenmannschaften.
Für unzählige Heimspiele.
Für Freundschaften.
Für Erinnerungen.
Und für das Vereinslokal, das über Jahrzehnte zu einem Treffpunkt der FSV-Familie geworden war. FSV_Geschichtsreihe_Folge_5_196…
Mit der Schließung verschwand deshalb nicht nur ein Fußballplatz.
Ein Stück Vereinsheimat ging verloren.
Der Umzug auf den Peterswöhrd
Als Ersatz wurde dem FSV 1968 gemeinsam mit dem VfB Straubing das neu geschaffene Sportgelände am Peterswöhrd zugewiesen. FSV_Geschichtsreihe_Folge_5_196…
Damit konnte der Spielbetrieb fortgesetzt werden.
Doch der neue Standort löste nicht alle Probleme.
Ein großer Teil der Mitglieder lebte weiterhin im Straubinger Süden.
Gerade für die Nachwuchsarbeit wurde der neue Standort deshalb schwieriger. FSV_Geschichtsreihe_Folge_5_196…
Kinder und Jugendliche mussten weitere Wege zurücklegen.
Die Verbindung zwischen Wohngebiet und Vereinsplatz wurde schwächer.
Und damit begann eine Frage, die den FSV über viele Jahre beschäftigen sollte:
Wie kann der Verein wieder eine eigene Heimat im Straubinger Süden bekommen?
Der Verlust verändert den Verein
Der Abschied von der „Schwarzen Erde“ wurde zu einem echten Wendepunkt.
Sportlich rutschte der Verein in den folgenden Jahren bis in die C-Klasse ab. FSV_Geschichtsreihe_Folge_5_196…
Gleichzeitig begann etwas, das später für die Zukunft des Vereins entscheidend werden sollte:
Der lange Kampf um ein eigenes Sportgelände.
Von nun an begleiteten mehrere Vorstandschaften denselben Wunsch.
Zurück in den Straubinger Süden.
Zurück zu einem eigenen Platz.
Zurück zu einer Heimat, die der Verein wieder selbst gestalten konnte.
Noch wusste niemand, wie lange dieser Weg dauern würde.
Aber die Idee war geboren.
Eine Epoche endet – eine neue Aufgabe beginnt
Die 1960er-Jahre waren deshalb kein gewöhnliches Jahrzehnt.
Sie begannen mit einem Verein, der auf seiner eigenen Anlage zuhause war.
Sie endeten mit einem Verein, der seine sportliche Heimat verloren hatte.
Dazwischen lagen sportliche Rückschläge, ein Vereinsjubiläum und zahlreiche Wechsel in der Verantwortung.
Doch trotz allem blieb die Gemeinschaft bestehen.
Die Mitglieder machten weiter.
Der Spielbetrieb ging weiter.
Und der Wunsch nach einer eigenen Heimat blieb bestehen. FSV_Geschichtsreihe_Folge_5_196…
Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Erkenntnisse dieser Zeit:
Man kann einen Verein seines Platzes berauben. Aber nicht seiner Identität.
Die „Schwarze Erde“ war verschwunden.
Doch das, was dort entstanden war, lebte weiter.
In der nächsten Folge
Folge 6: Jubiläen, Pokalfinale und neue Hoffnung auf dem Peterswöhrd
Die 1970er-Jahre sollten sportlich und organisatorisch erneut bewegte Zeiten bringen.
Der FSV feierte Jubiläen, besiegte überraschend den Bayernligisten TSV Straubing und erreichte 1977 sogar das Endspiel um die niederbayerische Pokalmeisterschaft. FSV_Geschichtsreihe_Folge_6_ueb…
Gleichzeitig blieb die Frage nach einer eigenen Heimat ungelöst.
Nächsten Mittwoch erzählen wir von Pokalerfolgen, Krisen und einer Vereinsgemeinschaft, die trotz aller Rückschläge weiter zusammenhielt.
Der FSV in einer Phase des Umbruchs: Nach dem Verlust der alten Heimat musste sich der Verein sportlich und organisatorisch neu orientieren.
Eine historische FSV-Mannschaft aus der Zeit vor dem endgültigen Abschied von der „Schwarzen Erde“. Die genaue Datierung ist in der Präsentation nicht eindeutig belegt.