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100 Jahre FSV | Folge 4 | Bezirksliga, Stadtmeisterschaft und die große Zeit der Unterabteilungen

Rückblick auf Folge 3

In der vergangenen Folge haben wir erlebt, wie der FSV nach dem Zweiten Weltkrieg praktisch bei null begann und innerhalb weniger Jahre erstaunlich schnell wieder Fuß fasste.

Mit der „Schwarzen Erde“ entstand eine neue Heimat, die erste Mannschaft kehrte in die höchste niederbayerische Spielklasse zurück und eine außergewöhnliche Jugendgeneration schaffte es sogar bis ins süddeutsche Endspiel. FSV_Geschichtsreihe_Folge_3_194…

In den 1950er-Jahren sollte sich nun zeigen, dass der FSV längst mehr geworden war als nur eine Fußballmannschaft.

Ein Verein findet seinen Platz in Straubing

Zu Beginn der 1950er-Jahre stand der FSV auf einem vergleichsweise stabilen Fundament.

Mit der „Schwarzen Erde“ verfügte der Verein über eine eigene sportliche Heimat. Die erste Mannschaft spielte auf hohem regionalem Niveau und die erfolgreiche Jugendarbeit hatte dem FSV weit über die Stadt hinaus Anerkennung eingebracht. FSV_Geschichtsreihe_Folge_4_195…

Doch dieses Jahrzehnt sollte nicht allein durch Ergebnisse und Tabellen geprägt werden.

Der FSV entwickelte sich immer stärker zu einem Ort, an dem sich Menschen trafen, Mannschaften entstanden und Fußballbegeisterte eine organisatorische Heimat fanden.

Gerade nach den schweren Kriegsjahren hatte Gemeinschaft einen besonderen Wert.

Und genau darin lag eine der großen Stärken des Vereins.

Fußball für eine ganze Stadt

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Nachkriegszeit wuchs auch die Begeisterung für den Fußball.

Immer mehr Menschen wollten regelmäßig spielen.

Viele Mannschaften besaßen jedoch weder einen eigenen Sportplatz noch die organisatorischen Möglichkeiten eines eingetragenen Vereins.

Der FSV öffnete seine Strukturen deshalb für zahlreiche dieser Gemeinschaften.

Mannschaften konnten als Unterabteilungen des FSV organisiert am Spielbetrieb teilnehmen. Die Vereinschronik bezeichnet den FSV später sogar als eine Art „Wiege“ verschiedener Straubinger Vereine. FSV_Geschichtsreihe_Folge_4_195…

Damit übernahm der Verein eine Rolle, die weit über den eigenen Spielbetrieb hinausging.

Der FSV half mit, den Fußball in der gesamten Stadt weiterzuentwickeln.

Die Geburtsstunde der Straubinger Stadtmeisterschaft

Eine der bedeutendsten Ideen dieser Zeit entstand im Jahr 1950.

Auf Initiative von Hans Schmid wurde die Straubinger Stadtmeisterschaft ins Leben gerufen. FSV_Geschichtsreihe_Folge_4_195…

Die Idee war ebenso einfach wie wirkungsvoll:

Freizeit-, Betriebs- und Feierabendmannschaften sollten regelmäßig und organisiert Fußball spielen können.

Später kam zusätzlich eine „Sonderrunde“ hinzu.

Im Mittelpunkt stand dabei nicht der Spitzensport.

Es ging um Breitensport.

Möglichst viele Menschen sollten die Möglichkeit bekommen, Fußball zu spielen.

Neben Hans Schmid nennt die Chronik auch Franz Seufert sowie Alfons und Josef Ruhland als wichtige Mitgestalter dieser Entwicklung. FSV_Geschichtsreihe_Folge_4_195…

Was damals entstand, wurde ein wichtiger Teil der Straubinger Fußballkultur.

Die große Familie der Unterabteilungen

Der Zuspruch war groß.

Immer mehr Mannschaften fanden unter dem Dach des FSV eine sportliche Heimat.

Die Chronik nennt unter anderem:

FSV Hirschvogel
FSV Privat
FSV Viktoria
FSV Ortler
FSV Post
FSV Fliegerhorst
FSV Teutonia
FSV Burg
FSV Eintracht. FSV_Geschichtsreihe_Folge_4_195…

Diese Mannschaften nutzten die organisatorischen Strukturen des Vereins und konnten dadurch regelmäßig am Spielbetrieb teilnehmen.

Einige entwickelten sich später weiter oder wurden Teil eigenständiger Vereinsstrukturen.

Die Chronik hält fest, dass unter anderem die Wurzeln des späteren VfB Straubing, des SV Post/Kagers und des FC Straubing beim FSV lagen. FSV_Geschichtsreihe_Folge_4_195…

Das macht deutlich, welche Bedeutung der Verein damals für den Fußball in Straubing hatte.

Der FSV war nicht einfach nur eine Mannschaft.

Er wurde zu einem Zentrum des Straubinger Fußballs.

Sportlicher Erfolg und finanzielle Realität

Auch die erste Mannschaft konnte sich weiterhin behaupten.

In der Saison 1950/51 erreichte der FSV den vierten Platz in der niederbayerischen Kreisliga. FSV_Geschichtsreihe_Folge_4_195…

Gleichzeitig zeigte sich jedoch ein Problem, das viele Amateurvereine bis heute kennen.

Gute Spieler machten auf sich aufmerksam.

Größere Vereine konnten bessere sportliche Möglichkeiten bieten – teilweise auch finanzielle Vorteile.

Für den FSV war es deshalb nicht leicht, seine besten Spieler dauerhaft zu halten. FSV_Geschichtsreihe_Folge_4_195…

Umso bemerkenswerter war die Vereinstreue vieler Aktiver.

Der FSV konnte nicht mit großen finanziellen Möglichkeiten locken.

Die Bindung entstand über Gemeinschaft, Freundschaften und Identifikation mit dem Verein.

Franz Seufert prägt das Jahrzehnt

Eine der zentralen Persönlichkeiten der 1950er-Jahre war Franz Seufert.

1954 übernahm er erneut den Vorsitz und führte den Verein gemeinsam mit zahlreichen engagierten Mitstreitern durch dieses bewegte Jahrzehnt. FSV_Geschichtsreihe_Folge_4_195…

An seiner Seite wirkten unter anderem:

Alfons Ruhland
Willy Riedmayer
Martin Semmelmann
Sepp Bogner
Hans Laberer

Solche Namen tauchen in der Geschichte des FSV immer wieder auf.

Nicht unbedingt, weil sie selbst im Mittelpunkt standen.

Sondern weil sie dafür sorgten, dass Mannschaften spielen konnten, Jugendliche betreut wurden und der Verein organisatorisch funktionierte.

Die Jugend bleibt das Aushängeschild

Nach dem sensationellen süddeutschen Vizemeistertitel blieb die Nachwuchsarbeit eine der großen Stärken des Vereins.

Immer wieder gelang es, junge Fußballer auszubilden und später an die Seniorenmannschaften heranzuführen. FSV_Geschichtsreihe_Folge_4_195…

Dabei verstand der FSV Jugendfußball schon damals nicht ausschließlich als sportliche Ausbildung.

Die Chronik beschreibt ausdrücklich, dass Kinder und Jugendliche zu fairen, demokratisch und sozial eingestellten Menschen heranwachsen sollten. FSV_Geschichtsreihe_Folge_4_195…

Das ist bemerkenswert.

Denn damit wurde bereits vor Jahrzehnten ein Gedanke formuliert, der heute wieder besonders aktuell klingt:

Ein Sportverein soll nicht nur Fußballer ausbilden.

Er soll Menschen prägen.

Aufstieg in die Bezirksliga

Mitte der 1950er-Jahre folgte ein weiterer sportlicher Höhepunkt.

Ab der Saison 1955/56 spielte der FSV in der niederbayerischen Bezirksliga. FSV_Geschichtsreihe_Folge_4_195…

Damit gehörte der Verein weiterhin zu den leistungsstärkeren Mannschaften der Region.

Die Chronik nennt zahlreiche Spieler, die diese Zeit prägten.

Darunter die Brüder Raab, „Hank“ Steiger, Widmann „Wamp“, die Brüder Zollner, Otto Sautner, Gerhard Willimczik, Walter Schröter und Bruno Walter. FSV_Geschichtsreihe_Folge_4_195…

Namen, die für ältere FSVler bis heute Erinnerungen hervorrufen.

Für jüngere Generationen erzählen sie davon, wie stark der Verein sportlich in dieser Zeit aufgestellt war.

Mehr als nur Fußball

Vielleicht lässt sich die Bedeutung der 1950er-Jahre aber gar nicht allein an Tabellenplätzen messen.

In diesem Jahrzehnt wurde besonders sichtbar, welche gesellschaftliche Rolle ein Verein übernehmen kann.

Menschen aus Betrieben, Wohngebieten und unterschiedlichen Gemeinschaften fanden unter dem Dach des FSV zusammen.

Mannschaften entstanden.

Freundschaften entstanden.

Menschen übernahmen Verantwortung.

Und aus vielen dieser Strukturen entwickelten sich später neue Vereine, neue Mannschaften und neue Persönlichkeiten des Straubinger Fußballs. FSV_Geschichtsreihe_Folge_4_195…

Die 1950er-Jahre machten den FSV deshalb nicht nur sportlich stärker.

Sie machten ihn zu einem wichtigen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in Straubing.

In der nächsten Folge

Folge 5: Abschied von der „Schwarzen Erde“ – die 1960er-Jahre

Die 1960er-Jahre sollten einen tiefen Einschnitt bringen.

Nach rund zwei Jahrzehnten verlor der FSV seine vertraute Heimat an der Wittelsbacher Höhe.

1968 wurde die „Schwarze Erde“ geschlossen und der Verein musste auf den Peterswöhrd ausweichen. FSV_Geschichtsreihe_Folge_5_196…

Für viele Mitglieder war dies weit mehr als ein einfacher Umzug.

Ein Ort voller Erinnerungen ging verloren – und damit begann ein Kampf um eine neue Heimat, der den Verein über viele Jahre beschäftigen sollte.

Nächsten Mittwoch erzählen wir, warum der Verlust der „Schwarzen Erde“ zu einem der größten Wendepunkte der Vereinsgeschichte wurde.

Historisches Mannschaftsfoto des FSV Straubing aus den späten 1950er-Jahren

FSV-Fußball in den späten 1950er-Jahren: Eine Zeit, in der sportlicher Erfolg, starke Nachwuchsarbeit und ein lebendiges Vereinsleben eng miteinander verbunden waren.

Historische Mannschaft des FSV Straubing aus dem Jahr 1958

Eine FSV-Mannschaft aus dem Jahr 1958. Die Aufnahme dokumentiert eine Zeit, in der der Verein sportlich in der Bezirksliga etabliert war und zu den prägenden Fußballadressen Straubings gehörte.

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